„In der Informationstechnik lernt man, dass jeder Speicher endlich ist. Irgendwann wird Platz geschaffen für Neues. Doch es gibt Daten, die sich nicht löschen lassen – nicht, weil sie auf einer Festplatte liegen, sondern weil sie Teil unserer Geschichte geworden sind.“ Mit diesen Worten brachte Scheffelpreisträgerin Nele Käss auf den Punkt, worum es an diesem Abend ging: um einen Abschluss, der weit mehr bedeutet als eine Reihe bestandener Prüfungen.
Am Samstag, 4. Juli 2026, verabschiedete die Gewerbliche Schule Bad Mergentheim die Abiturientinnen und Abiturienten ihres Technischen Gymnasiums. Im Dorfgemeinschaftshaus Neunkirchen feierten sie gemeinsam mit ihren Familien, Partnerinnen und Partnern sowie ihren Lehrkräften das Ende ihrer Schulzeit. Moderatorinnen und Moderatoren aus der Schülerschaft eröffneten den Abiball und führten durch das Programm.
Schulleiter Peter Wöhrle griff in seiner Ansprache die Legende vom Weizenkorn auf dem Schachbrett auf. Sie zeigt, wie aus einem zunächst unscheinbaren Anfang etwas kaum Vorstellbares entstehen kann. Auch die Schulzeit der Abiturientinnen und Abiturienten habe mit kleinen Schritten begonnen. Nun hielten sie das Ergebnis vieler Unterrichtsstunden, Prüfungen und persönlicher Anstrengungen in den Händen.
Das Abitur bezeichnete Herr Wöhrle dabei nicht als Endpunkt, sondern als Haltepunkt. Mit einem Bild aus der Technik verglich er diesen Moment mit einem Breakpoint in der SPS-Programmierung: Der Ablauf wird kurz unterbrochen, damit geprüft werden kann, was bereits erreicht wurde und wie es weitergehen soll. Der Abschluss biete genau diese Gelegenheit. Er erlaube einen Blick zurück, richte den Blick aber zugleich auf die Zukunft.
Mit ihrem Abitur hätten die Schülerinnen und Schüler ihr persönliches „Abi-Tor“ erzielt. Nun komme es darauf an, sich neue Ziele zu setzen. Gerade ihre Ausbildung in den Profilen Informationstechnik und Mechatronik habe sie darauf vorbereitet, Probleme nicht einfach hinzunehmen, sondern nach ihren Ursachen zu suchen und Lösungen zu entwickeln. Technisches Wissen allein reiche jedoch nicht aus. „Der beste Algorithmus ersetzt keine Menschlichkeit“, erinnerte Herr Wöhrle den Abschlussjahrgang. Mit Blick auf die kommenden Jahre gab er den Absolventinnen und Absolventen einen zuversichtlichen Gedanken mit auf den Weg: „Die Zukunft ist vielleicht kompliziert. Aber sie hat das große Glück, dass Sie sich jetzt um sie kümmern.“
Im Anschluss erhielten die Abiturientinnen und Abiturienten ihre Zeugnisse. Dabei wurden auch besondere Leistungen durch Preise und weitere Auszeichnungen gewürdigt.


Für ihre hervorragenden schulischen Gesamtleistungen wurden Nele Käss, Mira Rupp, Tim Ehrmann, Felix Hiller und Jan Heppel mit einem Preis ausgezeichnet. Eine Belobigung erhielten Arne Konrad, Robin Schwab, Lilli Schübel und Jannik Zürn.
Auch besondere Leistungen in einzelnen Fächern fanden Anerkennung. Nele Käss erhielt Auszeichnungen in Deutsch, Englisch, Chemie, Wirtschaftslehre und katholischer Religion. Im Fach Deutsch wurde ihr zudem der Scheffelpreis der Literarischen Gesellschaft e. V. verliehen, die Auszeichnung in Chemie stiftete die Gesellschaft Deutscher Chemiker. Tim Ehrmann wurde in Mathematik von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, in Informationstechnik von der Vector-Stiftung und in Chemie von der Gesellschaft Deutscher Chemiker geehrt.

Mira Rupp erhielt Fachpreise in Deutsch, Physik sowie Geschichte mit Gemeinschaftskunde. Der Physikpreis wurde von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft vergeben, die Auszeichnung in Geschichte mit Gemeinschaftskunde von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Felix Hiller wurde in Spanisch, Chemie sowie Geschichte mit Gemeinschaftskunde ausgezeichnet. Zu den Stiftern gehörten die Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Historische Verein für Württembergisch Franken e. V.
Jan Heppel erhielt den Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie einen Fachpreis in Informatik. Arne Konrad wurde in Mechatronik von der Vector-Stiftung und darüber hinaus in Informatik ausgezeichnet. Robin Schwab erhielt für seine Leistungen in evangelischer Religion den Paul-Schempp-Preis.

Sonderpreise von ebm-papst Mulfingen gingen an Tim Ehrmann für Informationstechnik, Nele Käss für Mathematik und Jan Heppel für Physik. Felix Hiller wurde außerdem für sein außerschulisches soziales Engagement geehrt.
Im Anschluss an die Ehrungen, gab Nele Käss in ihrer Scheffelpreisrede einen besonders persönlichen Rückblick auf die gemeinsame Oberstufenzeit. Ausgangspunkt waren die Convertibles, welche die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der elften Klasse erhalten hatten. Anfangs waren diese Laptops vor allem Arbeitsgeräte und ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zum Technischen Gymnasium. Drei Jahre später standen sie sinnbildlich für all das, was in dieser Zeit gespeichert worden war und sich dennoch auf keinem Gerät finden ließ.
Die gemeinsame Schulzeit habe Spuren hinterlassen, die auch nach der Rückgabe oder dem Zurücksetzen eines Convertibles bestehen blieben. Dazu gehörten Erfahrungen aus dem Unterricht und bewältigte Herausforderungen. Vor allem aber seien Erinnerungen entstanden, die den Jahrgang miteinander verbinden.
Auch den Einfluss der Lehrkräfte griff Nele Käss auf. Sie erinnerte an einen Satz, der im Fachraumzentrum der Schule zu lesen ist: „Lehren heißt nicht, einen leeren Topf zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.“ Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre erklärte sie: „Vielleicht ist dabei nicht in jedem von uns ein großes Feuer entstanden, aber ich glaube, jeder hat zumindest einen Funken mitgenommen.“ Ein solcher Funke könne genügen, um neugierig zu bleiben oder sich später noch einmal an etwas heranzuwagen, das zunächst unerreichbar erschien.
Das Technische Gymnasium beschrieb sie als ein Haus, das von den Menschen geprägt werde, die darin lernen und arbeiten. Zugleich verändere dieses Haus diejenigen, die einen Teil ihres Lebens darin verbringen. „Wir durften ein Teil der Geschichte dieser Schule sein, durch sie wachsen und zur Reife finden“, fasste Nele Käss die vergangenen drei Jahre zusammen. Mit dem Abitur schließe sich nun eine Tür. Dahinter öffneten sich jedoch viele neue.
Nach der Scheffelpreisrede wurde das Buffet eröffnet. Neben verschiedenen Speisen hatten die Schülerinnen und Schüler Salate beigesteuert. Für den Getränkeausschank waren die Klassen ITG12 und TG12 verantwortlich. Sie kümmerten sich auch hinter den Kulissen um die Bewirtung und trugen damit wesentlich zum Gelingen des Abends bei.
Später wandte sich Tutorin Kati Grützmacher an den Abschlussjahrgang. In ihrer Rede erzählte sie von Erfahrungen aus ihrer eigenen Vergangenheit und schlug von dort aus den Bogen zur Zukunft der jungen Erwachsenen. Ihre persönlichen Worte machten deutlich, dass sich Lebenswege nur selten vollständig planen lassen. Entscheidend sei vielmehr, den kommenden Möglichkeiten offen zu begegnen.
Bevor das offizielle Programm endete, bedankten sich die Abiturientinnen und Abiturienten bei ihren Lehrkräften. Mit persönlichen Worten erinnerten sie an die gemeinsame Zeit und überreichten kleine Geschenke als Zeichen ihrer Wertschätzung.
Danach gehörte der Abend dem Abschlussjahrgang und seinen Angehörigen. Sie feierten weiter, blickten auf die vergangenen Jahre zurück und genossen einen Moment, auf den sie lange hingearbeitet hatten.
Die Gewerbliche Schule Bad Mergentheim gratuliert allen Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2026 herzlich. Mögen die Erfahrungen ihrer Schulzeit bleiben, auch wenn längst neue Kapitel begonnen haben.




