Besuch französischer Austauschschüler an der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim

Bericht vom Besuch französischer Austauschschüler an der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim
 
Vom „Erbfeind“ zum „Erbfreund“. Seit dem 30-jährigen Krieg hat sich die Rivalität zwischen den Nachbarn Deutschland und Frankreich hochgeschaukelt und gipfelte in verheerenden zwei Weltkriegen im 20.Jahrhundert. Vor fünfzig Jahren, am 9.September 1962, hielt der legendäre französische Präsident Charles de Gaulle im Ludwigsburger Schlosshof seine visionäre Rede an die deutsche Jugend. Mit wahren Begeisterungsstürmen wurde er begleitet als er sagte, beide Völker müssten sich immer näher kommen, sich besser kennenlernen und engere Bande schließen. Mit dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag 1963 wurde der Grundstein für die Einigung Europas gelegt. Nach jahrelangem Austausch des Berufsschulzentrums Bad Mergentheim mit Auszubildenden aus der Partnerstadt Digne unterhält die Gewerbliche Schule seit zwei Jahren eine Partnerschaft mit dem Lycee Professionel „Sainte-Claire“ in Sury-le-Comtal aus der Industrieregion Saint-Etienne/Lyon. Vorgesehen ist der Austausch für die Ausbildungsberufe Mechatroniker, Elektroniker, Industriemechaniker und Anlagenmechaniker.
 
Der dreiwöchige Aufenthalt in Frankreich fand Ende April/Anfang Mai 2012 statt, der Gegenbesuch der Franzosen findet von 7.bis 27.Oktober statt. Neun Industrie- und Handwerksfirmen aus Bad Mergentheim, Igersheim und Weikersheim hatten sich bereit erklärt, den Austausch mitzutragen, während die gemeinsame Unterkunft der zwölf Franzosen in Reckerstal erfolgte. Das von Oberstudienrat Alfred Winklmaier zusammengestellte Programm sah zunächst ein Kennenlernen in den Räumen des Technischen Gymnasiums vor, in denen auch ein Tandem-Crashkurs in Deutsch und Französisch mit den TGlern unter Anleitung von Studienrat Jochen Voltz erfolgte. Betriebsbesichtigungen stellten den Übergang dar für die praktische Tätigkeit in der Folgezeit. Ein Empfang im Bad Mergentheimer Rathaus durch den stellvertretenden Bürgermeister Bernhard Gailing rundete die ersten Tage ab.
Er erinnerte an den legendären Aufbruch in den 60er Jahren und forderte die jungen Leute auf, die Pionierarbeit ihrer Eltern in Sachen Frieden fortzuführen. Ihn selbst habe die seinerzeitige Rede des französischen Präsidenten emotional stark berührt, so dass er sich in der Folge stark für diese Ideen eingesetzt habe. An den Wochenenden fuhr man mit den Gästen nach Würzburg und Rothenburg o.T. sowie in das Technikmuseum Sinsheim und zu Rundflügen nach Niederstetten. Ab der zweiten Woche ging es dann in die Betriebe, wobei der Ausbildungsstand in beiden Ländern nicht vergleichbar ist, zumal in Frankreich lediglich 22 Monate Betriebspraktika während der drei Jahre schulischer Ausbildung erfolgen. Im Frühjahr waren die französischen Chefs erstaunt über den hohen Ausbildungsstand der deutschen Gäste im zweiten Ausbildungsjahr dank des praxisnahen Dualen Systems. Die Austauschmaßnahme wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bzw. vom Deutsch-Französischen Sekretariat (DFS) finanziell gefördert. Für die Teilnehmer fällt lediglich ein kleiner Eigenanteil an den Fahrtkosten an. Während des gesamten Aufenthalts stehen Lehrer der Gewerblichen Schule sowie eine Sprachbegleiterin zur Verfügung.
 
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