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Die volle Zeit für die Vollzeit-Schüler

Die volle Zeit für die Vollzeit-Schüler

Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 hieß die GSMGH ihre neuen SchülerInnen in den Vollzeitklassen, den Beruflichen Gymnasien mit den Profilfächern Technik und Informationstechnik sowie der zur Fachschulreife führenden Zweijährigen Berufsfachschule, vollumfänglich willkommen. Teams aus den dort unterrichtenden Lehrkräften kümmerten sich eine Woche lang um die großen Fragen eines jeden Neuanfangenden: Wer weiß was? Wo muss ich hin? Wozu bin ich hier?


Wer in der GSMGH zunächst von Relevanz für die neuen SchülerInnen sein sollte, lernten sie von ihren Lehrkräften sowie den Beratungs- und Präventionslehrerinnen. Besondere Fürsorge in diesen Dingen widerfuhr ihnen von der SMV sowie von bewährten SchülerInnen des Technischen Gymnasiums der 13. Klasse, die auch das Wo in einer ausgiebigen Schulhaus-Rallye begleiteten: Werkstatt, Fachraumzentrum, generalsaniertes Hauptgebäude, neues SPS-Labor, neue IPad-Klassen sowie das im Werden befindliche Projekt der „Industrie 4.0“. Durch teambildende Spiele waren sich die neuen Unbekannten täglich weniger fremd. Ein besonderes Highlight stellte der Raketenbau im Fach Physik dar, in dem die Eingangsklasse sprichwörtlich Vollgas geben konnte. Auch zu außerschulischen Lernorten führte der Weg, wie zu Würth Industrie Services/IT für die Eingangsklasse sowie zu Müller Martini für die Berufsfachschüler. Dort erlebten sie Unternehmensvorstellungen, Werksbesichtigungen und Diskussionen zu aktuellen Themen.
Auch für die sinnstiftenden Fragen eines Neuanfangs nach dem Wozu oder Wofür gewannen die SchülerInnen Anstöße: In Andachten entwickelten die Klassen ihr bleibendes Motto, unter das ihr Weg in der Schule gestellt sein sollte. Die SchülerInnen der Eingangsklasse am TG/ITG beispielsweise erschlossen sich die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und derer Vor- und Nachteile. Die Berufsfachschüler definierten für sich Mutmachendes, wenn der Weg einmal schwer sein sollte.
Das gesamte Kollegium heißt die neuen Schüler herzlich willkommen und wünscht einen guten Start sowie einen erfolgreichen Schulweg.

Verabschiedung der medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellte an der Gewerblichen Schule

Verabschiedung der medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellte an der Gewerblichen Schule
„Ich bin medizinische Fachangestellte, weil Superheldin keine offizielle Berufsbezeichnung ist“

Zum Schuljahresende wurden 51 medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte an der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim verabschiedet. Erfreulich ist die hohe Anzahl an Preisen und Belobigungen. 41 Prozent erhielten eine Auszeichnung für ihre Leistungen, was zeigt, dass die Absolventinnen sowie ihre betreuenden Lehrkräfte in den letzten drei Jahren mit großem Erfolg gearbeitet haben.
Zu der kleinen Feierstunde begrüßte die Schule neben den stolzen Absolventinnen auch Herr Dr. Adalbert Ruhnke von der Bezirkszahnärztekammer sowie Herr Dr. Sebastian Gerstenkorn als Vertreter der Kreisärzteschaft.


In seiner Eröffnungsrede hob Schulleiter Peter Wöhrle den Wert der medizinischen wie auch der zahnmedizinischen Fachangestellten hervor. Er spielte humorvoll auf T-Shirt-Zitate an, die den Berufsalltag von medizinischen Fachangestellten umreißen: „Ich bin medizinische Fachangestellte, weil Superheldin keine offizielle Berufsbezeichnung ist.“ oder „Ich bin eine Rezept ausgebende, erklärende, empathische, den Praxisalltag organisierende, impfende und spritzende, Verbände anlegende, Trost spendende und aufklärende, medizinische Fachangestellte.“ Dies zeige deutlich, so der Schulleiter, wie facettenreich und anspruchsvoll der Berufsalltag sei. Trotz einer gewissen Übertreibung stecke viel Wahres in diesen Zitaten.

Zahnmedizinische wie medizinische Fachangestellte „begleiten“ in sehr vielfältigen Bereichen ihre Patienten. Dieses Begleiten sei das Zentrale in ihrem Berufsalltag, nicht nur im fachlichen Bereich, sondern gerade auch in der sozialen Interaktion mit dem Patienten.
Alle Absolventinnen hätten ihre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen. Dabei sei Erfolg etwas sehr Individuelles und auch zeitlich Begrenztes. Er sei im Leben einem Wandel unterworfen, so Wöhrle weiter. Es zeige sich aber auch, dass gleichzeitig mit jedem Erfolgsergebnis auch der Erwartungsdruck und die Erwartungshaltung der Umwelt größer werde.
Peter Wöhrle wünschte abschließend jeder der 51 erfolgreichen Absolventinnen, dass sie ihre individuellen Erfolge im Leben immer wieder auf Neue feiern dürften.
Die beiden Vertreter der Ärztekammern unterstrichen in ihren Ansprachen die große Bedeutung dieser beiden Berufe und stellten Weiterbildungsmöglichkeiten vor, die den Beruf noch attraktiver werden ließen.
Mit sehr persönlichen Eindrücken aus den vergangenen Schuljahren verabschiedeten sich dankbare Schülerinnen bei ihren Lehrern, die sie mit viel Fachverstand, etwas Strenge und einer hohen sozialen Kompetenz durch ihre Ausbildungsjahre begleitet hätten.

Drei Kollegen verlassen die Gewerbliche Schule Bad Mergentheim

Drei Kollegen verlassen die Gewerbliche Schule Bad Mergentheim

Mit dem Ende des laufenden Schuljahres endete auch für drei Kollegen der Dienst an der Gewerblichen Schule in Bad Mergentheim.
Mit Karl Gerlinger verliert die Fachschaft Religion einen wesentlichen Bestandteil, er hat die Fachschaft initiiert und geleitet. Stets standen aktive Mitarbeit und Seelsorge für ihn im Mittelpunkt seines Tuns. Bis 2010 war Karl Gerlinger Pfarrer im Kochertal. Schließlich reifte der Entschluss sich einer neuen Herausforderung zu stellen und in den Schuldienst zu wechseln. Seit dem Schuljahr 2010/11 war seinen neue Wirkungsstätte Bad Mergentheim. Als Lehrer für evangelische Religion sei er im wahrsten Sinne des Wortes ein Segen für die Schule gewesen, so Schulleiter Peter Wöhrle in seiner Abschiedsrede. Als Religionslehrer gelang es ihm mit den Schüler über ganz andere Aspekte als Mathematik und Physik zu sprechen. Man habe gemeinsam Dinge hinterfragt. Die Schüler wurden angeregt über Sein oder Nichtsein nachzudenken und ganz wie Herr Gerlinger neue Pfade zu beschreiten. Bevor er Sozialpädagogik- und Theologie studierte, war Karl Gerlinger Landwirt. Er unterrichtete nicht nur, sondern lebte sein Fach.


Bis zu seinem letzten Unterrichtstag hat er sich sehr engagiert in der Schule eingebracht. Schulleiter Peter Wöhrle wünschte ihm für den neuen Lebensabschnitt viele schöne Stunden, Zeit mit der Familie, sowie Freude beim Obstbau und der Waldarbeit. Der Personalratsvorsitzende Volker Oechsle überbrachten im Anschluss gute Wünsche seitens des Kollegiums und überreichte dem nebenberuflichen Wald- und Obstbauern ein kleines Bäumchen.
Auf eine lange und abwechslungsreiche Laufbahn als Lehrer kann auch Bernhard Scholz zurückblicken. Nach einer Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker 1970 in Heilbronn folgten Fachhochschulreife, Wehrdienst und schließlich ein Elektrotechnik-, Physik und Sportstudium. Es folgte ein USA-Aufenthalt. 1987 erhielt Bernhard Scholz die Lehrererlaubnis für Gymnasien und danach im Fach Elektrotechnik auch für berufliche Schulen. Seit 1990 unterrichtete er an der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim. Das Wohl der Schüler stand immer im Mittelpunkt seines Tuns. Die Schule sei stets ein Ort gewesen, an dem er Energie tankte, betonte der Mathematik- und Physiklehrer. Seine neugewonne Freizeit will der reislustige Fahrradfahrer Bernhard Scholz nutzen, um neue Länder zu bereisen. Von der Schule und vom Kollegium erhielt er Gutscheine für seine Hobbys.


Nach vier Jahren verlässt auch Philipp Pütz, der die Fächer Deutsch und Geschichte mit Gemeinschaftskunde, Ethik und Textverarbeitung unterrichtet, die Schule und wird ab September an der Gewerblichen Schule in Crailsheim tätig sein. Ab September wird er an der Gewerblichen Schule in Craisheim unterrichten. Mit seiner ruhigen und empathischen Art war er bei allen sehr beliebt. Er hat im vergangen Schuljahr unter anderem die Kooperation mit der Stadtbücherei ins Leben gerufen. Schulleiter Peter Wöhrle bedauerte seinen Weggang und betonte, die Gewerbliche Schule Bad Mergentheim hieße ihn jederzeit wieder willkommen.

„Ich mute Ihnen viel zu“

„Ich mute Ihnen viel zu“

Der 80-jährige Holocaust-Überlebende Pavel Hoffmann berichtete vor Schülerinnen und Schülern der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim von seinen Kindheitserlebnissen im KZ Theresienstadt.

Im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus“ nahm der verantwortliche Lehrer Jürgen Tapparelli bereits zum zweiten Mal Kontakt mit „Zeugen der Zeitzeugen“ auf. Anliegen dieses Projekts ist es, Informationen und Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden in die Zukunft zu tragen. Die Schicksale der 6 Millionen getöteten Juden dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Schule konnte mit Pavel Hoffmann einen charismatischen und eloquenten Redner gewinnen, der sehr emotional berichtete.


Schulleiter Peter Wöhrle hob in seiner Begrüßung hervor, dass wir unser heutiges Wissen über den Holocaust vor allem aus Büchern und Dokumentationen hätte. Hautnah sei dies aber etwas ganz anderes.
„Ich mute Ihnen viel zu.“ Mit diesen Worten begann Herr Hoffmann zu berichten. Er blicke auf ein langes und zum großen Teil alltägliches Leben zurück, das von Ausbildung, Arbeit und Familie geprägt war. Aber dazwischen gab es eine Zeit, die ganz und gar nicht alltäglich war.
1939 in Prag in eine Arztfamilie hineingeboren verliert er mit drei Jahren seinen Vater. Hoffmanns Vater, ein geachteter und beliebter Zahnarzt, wurde als Vergeltung für das Attentat auf den Stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, zusammen mit weiteren 1300 Opfern erschossen. Im gleichen Jahr wurden auch seine Großeltern väterlicherseits nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Hoffmann erinnerte sich auch nach einem dreiviertel Jahrhundert voller Liebe an seine Großmutter mütterlicherseits, die im ungarischen Grenzgebiet lebte und versuchte mit ihrem letzten Geld die Familie zu retten. Sie fuhr nach Prag, um dort die ungarische Botschaft zu bestechen. Der Versuch scheiterte und sie kehrte ohne ihre Tochter und deren Familie nach Ungarn zurück. 1944 wurde sie mit 40 weiteren Familienmitgliedern nach Auschwitz deportiert und in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Im Rahmen der von Adolf Eichmann organisierten Transporte starben insgesamt 400.000 Juden der ungarischen Gemeinde.
Der kleine Pavel wurde 1943 zusammen mit seiner Mutter, einer Kinderärztin, nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte das Lager nur drei Wochen und starb mit gerade 34 Jahren. Mit vier Jahren war Pavel Vollwaise und im Lager auf sich allein gestellt. Die jüdischen Betreuer hätten versucht, den Kindern den Alltag so angenehm wie möglich zu machen, so Hoffmann weiter. Sie wurden unterrichtet und trotz der katastrophalen Ernährungslage hungerten die Erwachsenen, damit die Kinder etwas zu essen bekamen. Ganze zwei Jahre lang überlebte er den Lageralltag.
Geblieben sind ihm nur wenige Erinnerungen. Zum einen erinnerte er sich daran, dass er als Vergeltungsaktion für den Fluchtversuch zwei Gefangener mit den anderen Lagerinsassen stundenlang bei Regen im Hof stehen musste. Er hatte panische Angst sich zu rühren. Daneben blieb die Erinnerung an eine Gruppe unterernährter, kranker, gänzlich traumatisierter und verwahrloster Kinder, die eigentlich nach Palästina weiterreisen sollten. Die Bialystok-Kinder wurden zum Spielball politischer Interessen zwischen dem Dritten Reich und dem damaligen Großmufti von Jerusalem, Amin el Husseini. Schließlich entschied man sich gegen ihre Rettung und schickte sie auf Wunsch des Großmuftis nach Auschwitz in den Tod.
Dass Hoffmann überlebte und nicht in einem der Vernichtungslager den Tod fand, kam einem Wunder gleich. In einem Sonderzug reiste er im Februar 1945 mit 1200 jüdischen KZ-Häftlingen quer durchs Reich über Augsburg nach St. Gallen in der Schweiz. Erst viele Jahre später wurden die Hintergründe dieser Sonderfahrt bekannt: Angesichts der drohenden Niederlage hatte Heinrich Himmler die Gefangenen gegen eine hohe Summe Geld an die Schweiz verkauft. Pavel Hoffmann war an Tuberkulose erkrankt. Der Schweizer Arzt, der ihn untersuchte, notierte in seinen Unterlagen: „Spricht seit drei Tagen kein Wort.“
Vor zwei Jahren erhielt er ein Foto, das ihn nach seiner Ankunft in der Schweiz zeigte. Eine junge Historikerin hatte es bei ihren Recherchen gefunden.
„Von 15.000 jüdischen Kindern haben nur 28 überlebt und kamen nach Prag zurück“, so Pavel Hoffmann weiter. Insgesamt starben 90% der jüdischen Kinder. Auch der Großteil der Familie Hoffmann überlebte nicht. Neben dem Redner überlebten ein Onkel und eine Tante, bei denen er nacheinander lebte. Seine Tante versuchte einen Teil seiner seelischen Wunden so gut es ging wieder zu schließen. Durchaus humorvoll erinnerte er sich daran, dass seine Tante ihm ihre Liebe vor allem mit viel Essen zeigte. In einem kleinen Städtchen im heutigen ungarisch-slowakischen Grenzgebiet versuchten sie wieder ein fast normales Leben zu führen. Erst Jahre später erfuhr er, dass er eigentlich Jude sei und gar nicht in den christlichen Religionsunterricht gehen müsste. Er schaute nach vorne und es begann das alltägliche Leben, von dem er am Anfang sprach. Er studierte, wurde Ingenieur, heiratete, bekam zwei Töchter und wurde schließlich in Reutlingen sesshaft.
Mit Sorge blickte der Zeitzeuge danach auf den stetig wachsenden Judenhass der Gegenwart und das negative Israelbild, das bei vielen vorherrsche. Juden seien in vielen Teilen Europas nicht mehr sicher. Er ermutigte die Anwesenden sich nicht durch die Medien, falsche Vorbilder und von vorgefertigten Meinungen beeinflussen zu lassen. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen schloss sich eine rege Fragerunde an den Vortrag an und die Schüler verließen die sehr emotionale Veranstaltung sichtlich bewegt und sollen nun selbst als „Zeugen der Zeitzeugen“ aus dem Gehörten lernen.