Erfahrungsbericht von Steffen Müller

Trois semaines en France

Drei Wochen in Frankreich
 
Einen ausländischen Betrieb kennenzulernen, eine andere Mentalität anzutreffen und die Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern; dies waren die primären Ziele meines dreiwöchigen Auslandspraktikums im Oktober 2011 nach Digne-les-Bains in Frankreich. Dieser Austausch basiert auf der Partnerschaft der beiden Städte Digne und Bad Mergentheim, die seit nunmehr 50 Jahren gemeinsame Aktionen durchführen. In Frankreich werden für die teilnehmenden Azubis Betriebe ausgesucht, die in etwa den Ausbildungsberufen in Deutschland entsprechen. Aufgrund der hohen Anzahl der Einzelhändler und Dienstleistungsbetriebe in der Region sind beispielsweise Bäcker, Metzger und Friseure in den Betrieben untergebracht.
 
Im Betrieb
Ich hatte das Vergnügen, in einem Baustoffeinzelhandel zu arbeiten. Wareneingangskontrollen, Etikettieren der Ware, Artikel einräumen und kleinere PC-Arbeiten waren Teile meiner Arbeit; also nicht allzu weit entfernt von der Arbeit bei Systemair. Die Zusammenhänge zwischen Einkauf, Lagerung, Bestellungen und Vertrieb zu verstehen, ist schon auf Deutsch nicht immer einfach. Das alles auf französisch erklärt zu bekommen, erforderte jede Menge Geduld für beide Seiten. Dazu reichten ein paar Jährchen Schulfranzösisch nicht immer aus, doch die französischen Kollegen David und Gerald gaben sich sehr viel Mühe, mir die Abläufe näher zu bringen. Nichtsdestotrotz war der
tägliche Umgang mit den Mitarbeitern sehr wichtig, da es keine Möglichkeit gab, sich hinter der deutschen oder englischen Sprache zu verstecken. Das berüchtigte "Je ne parle pas français" (Ich spreche kein Französisch) musste ich leider dennoch viel zu häufig anwenden, wenn Kunden nach einem Kunststoffröhrensiffon, einem Fußbodensigellack oder nach Fließspachtelmasse fragten.
 
In der Freizeit
Wenn ich nun berichte, wir hätten drei Wochen rund um die Uhr nur gearbeitet, würde es nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Es standen tolle Freizeitaktionen auf dem Programm. Ein Highlight war sicherlich der Ausflug nach Cassis an die Cote d'Azur. Auch wenn das Wasser nur eine Temperatur von 15 Grad hatte, war ein Sprung ins Mittelmeer Pflicht. Weitere Ausflugsziele waren Aix-en-Provence und der beeindruckende Canyon „Georges du Verdun“. Ein Diskoabend am Samstag durfte natürlich auch nicht fehlen. Bei 80 Euro für die Flasche Wodka war es erstmal schwer, eine tolle Party zu feiern, aber wo ein Wille ist... Auch wenn es nicht mein erster Frankreich-Aufenthalt war, beeindruckten mich die schöne Landschaft im Süden, die Gastfreundlichkeit und die positive Lebenseinstellung der Leute aufs Neue. Im Betrieb gingen die Menschen sehr respektvoll miteinander und um ihre "laisser-faire" - Einstellung sind die Franzosen auch etwas zu beneiden. Bedenkt man, dass sich Frankreich und Deutschland noch vor ca. einem Jahrhundert innerhalb 75 Jahren in drei Kriegen gegenüber gestanden sind, ist es bewundernswert, wie der Umgang zwischen den beiden Nationen heute ist und zahlreiche Vorurteile abgebaut wurden. Da haben Monsieur de Gaulle und Herr Adenauer mal ganze Arbeit geleistet. Doch nicht nur die politische Komponente ist wichtig;
gerade solche Austausche und Partnerschaften stärken das deutsch – französische Verhältnis auf allen Ebenen.
 
Ein großer Dank meinerseits gilt Jürgen Breier und Frank Jäger, die sich für diesen Austausch einsetzten.
 
Bericht: Steffen Müller