Neuer Schüleraustausch der Gewerblichen Schule mit Frankreich

Neuer Schüleraustausch der Gewerblichen Schule mit Frankreich
 
Förderung der interkulturellen Kompetenz, so lautet die offizielle Bezeichnung, die sich die Politik seit über 50 Jahren zum Ziel gesetzt hat. Denn ein Schüleraustausch soll viel mehr sein, als eine von der Schule organisierte Studienfahrt. Verständigung zwischen den Kulturen, gegenseitiges Kennenlernen von Menschen, Sitten und Gebräuchen, sollen helfen Vorbehalte abzubauen, um sich über Grenzen und Kulturen hinweg näher zu kommen. Soll das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa einmal reale Wirklichkeit werden, müssen sich Sichtweisen ändern. Dabei ist der persönliche Kontakt der Menschen unverzichtbar.
 
So sieht das unter anderem das Deutsch-Französische Sekretariat SFA in Saarbrücken, welche mit europäischen Fördermitteln ehrgeizige Projekte dieser Art unterstützt. Dank dieser Gelder wurde es für elf Schüler der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim möglich, für drei Wochen in die französische Industriestadt St. Etienne zu reisen und an einem Austauschprogramm teilzunehmen. Vorausgegangen war ein Kooperationsvertrag mit der französischen Schule Lycée Professionel „Sainte-Claire“ in Sury-le-Comtal, einer dem deutschen Technischen Gymnasium vergleichbaren Einrichtung, bei der französische Jugendliche neben dem Abitur gleichzeitig eine Berufsausbildung erhalten. Mit diesem Vertrag betrat die Gewerbliche Schule Bad Mergentheim Neuland, jedoch halfen die Erfahrungen aus dem mittlerweile zwanzigjährigen Bestehen des Austausch mit der Partnerstadt Digne le Bains.
 
Deutsche Jugendliche, die eine Ausbildung entweder zum Mechaniker, Elektroniker oder Mechatroniker durchlaufen, hatten dadurch die Möglichkeit in französischen Betrieben ein Praktikum zu absolvieren. Besonders diese Berufsgruppe war bisher in Digne nur schwer zu vermitteln gewesen, so dass das Angebot aus Sury-le-Comtal sehr gerne und offen angenommen wurde, sowohl seitens der Betriebe als auch bei den Auszubildenden. Sprachliche Unterstützung bekam die Gruppe durch eine junge Sprachbegleiterin, die neben ihrer Aufgabe als Kulturvermittlerin auch half, organisatorische Probleme zu lösen, die manchmal Feingefühl und sprachliche Gewandtheit erfordern. Die Verbindung aus Sprachkurs, Kulturprogramm, Arbeit in den Betrieben, aber auch eine aktive Freizeitgestaltung, machten den Austausch zu einer einmaligen Chance für junge Menschen. Die Unternehmen waren stets hilfsbereit und vielfältig in ihrem Tätigkeitsangebot. Stolz zeigten die jungen Menschen aus dem Taubertal ihre fachlichen Kompetenzen, manchmal sogar zum Erstaunen ihrer französischen Betreuer. In den Betrieben und in der Freizeit wurden die erlernten Sprachkenntnisse erprobt und es entstand auch der gewünschte Kontakt zu den Einheimischen. Im Fußballstation Stade Geoffroy-Guichard wurde man Zeuge, dass französische Erstligaspiele nicht anders verlaufen als bei uns, und der Besuch des Bergbaumuseums in St. Etienne führte die Auszubildenden sogar unter Tage. Vielleicht trug auch der Charme des Ortes bei, in dem die deutsche Gruppe untergebracht war – Chambles, ein kleines französisches Bilderbuch-Dorf, oberhalb der Loire-Schlucht – für junge Menschen auf den ersten Blick vielleicht etwas zu ruhig, aber wie man ihn zum Wohlfühlen kaum besser hätte auswählen können. Großzügig versorgt vom Lycée konnte man im wahrsten Sinne des Wortes leben und arbeiten wie Gott in Frankreich. Der Gegenbesuch der französischen Auszubildenden wird dann im Herbst dieses Jahres statt finden, wofür sich die Schule Bad Mergentheim schon jetzt bei den Betrieben bedankt, die französische Auszubildende aufnehmen wollen.
 
Als bleibenden Eindruck nehmen wohl die deutschen Beteiligten die fast unbeschreibliche Gastfreundlichkeit der Franzosen mit und ihre landestypische Leichtigkeit, mit der sie ihren Alltag meistern. Wenn das auch ein Ergebnis des Austauschprogramms ist – dass das deutsch-französische Verhältnis heute tatsächlich so gut ist wie noch nie in seiner Geschichte – dann ist eines der politischen Ziele erreicht worden und man darf froh sein, dass in der heutigen Zeit von beiden Staaten noch Gelder für solche lobenswerte Projekte zur Verfügung stehen.