Einblick in die Geschichte Bad Mergentheims

 

Die Geschichte der Stadt

Durch Funde aus der Jungstein-, Bronze- und Eisenzeit konnte belegt werden,
dass das Gebiet rund um Bad Mergentheim ein uraltes Siedlungsgebiet ist.
Hier siedelten Kelten, Alemannen und Franken.
Mergentheim tauchte zum ersten Mal 1058 als „Grafschaft Merginthaim im
Taubergau“ auf. Seit Ende des 12 Jahrhunderts war der Johanniterorden in Bad Mergentheim ansässig. Ab dem 13 Jahrhundert kam dann der deutsche
Orden und der Dominikanerorden hinzu.

Die Tätigkeit der 3 Orden ließ Mergentheim eine große Bedeutung zu kommen.
Der frühere bäuerliche Charakter nahm ab und die Bevölkerung schreib sich dem handwerklichen und gewerblichem Werk zu.
So wurde die Stadt zu einer anschaulichen Marktfläche. Am 2 Juli 1340 wurde die Stadt von Kaiser Ludwig dem Bayer zum „Markt“ erhoben.

1525 zerstörten die Bauern die Burg Horneck, die bisherige Residenz des Deutschmeisters. Dieses Unglück verhalf Mergentheim zu weiterem Ansehen, da der neue Sitz des Deutschmeisters hier in Mergentheim vorgesehen war.
2 Jahre später wurde die Stadt dann auch Residenz des Hoch- und Deutsch- meisters.

Durch einen Befehl Napoleons wurde das Ordensgebiet Mergentheim mit der Krone Würrtembergs vereinigt. Dadurch fand die Residenzherrlichkeit ihr Ende.
Mergentheim wuchs zu einem unbedeutendem Landstädtchen ab. Die Bevölkerungszahl sank auf 3.000.

Erst durch die Entdeckung der Heilquellen gewann Mergentheim wieder
mehr an Bedeutung.


Die Stadt um 1330

Die heutige Anlage der Stadt Bad Mergentheim geht auf einen unbekannten Baumeister zurück,. 1330 gab Wolfram von Nellenburg (von Stockach am Bodensee) den Auftrag zur Neugestaltung und Erweiterung Mergentheims.
Er sah vor, die Stadt zu vergrößern, planmäßig aufzuteilen, einheitlich zu gestalten und die Linienführung der Stadtbefestigung festzulegen. Allerdings wirkte sich dies durch die Rücksichtsnahme auf bereits bestehende Flächen, wie Bauernsiedlungen, dem Reichhof oder z.B. dem Friedhof schwierig aus.
Es wurde ebenfalls versucht die Kirchenbauten, wie die Pfarrkirche (1250-70) mit einzubeziehen.
Die wichtigste Heer und Landesstraße von der Donau zum Main und Rhein, die von Augsburg nach Frankfurt führt (Kaiserstrasse) einzubinden. Die Straße galt als Rückgrat der neuen Stadtanlage und als Nahtlinie zwischen der östlichen Alt- und der westlichen
Neustadt.
Die Hauptquerstraße, zuvor nicht als Durchgangsweg genutzt, ging aus einer Gasse der alten Marktsiedlung hervor.
(-> Verbreitert und nach westen verlängert ist sie zur Burggasse geworden) Den Abschluss bilden das Burgtor und der Bläserturm darüber.
1330 wird sie nochmals erweitert und wird zum Schnittpunkt mit der Kaiserstraße (Neuer Marktplatz)

Durch Sperrung der Durchfahrt von Igersheim nach Edelfingen über den Frauenberg, zwingt Mergentheim insbesondere der Orden nun
Kaufreisende die Stadt zu durchfahren und erlangt so einen höheren
Wirtschaftsfaktor.

Die Altstadt früher kartoingisch – romanisches Haufendorf

Die Altstadt wurde sehr gedrängt gebaut zeigt allerdings auch
Künstlerisch-ästhetische Züge und gotische Stadtbaukunst in Höchstleistung.
Der straff aufgezogene Stadtkörper, die kläre Führung des umziehenden Mauerrings, die exakte Anordnung der Baublöcke, die präzise Führung der beiden sich kreuzenden Hauptstraßen von Tor zu Tor und der parallelen Gassen und die gute Einfügung kirchlicher und kommunaler Gebäude machte Mergentheim damals zu einer ansehnlichen Stadt.

Der ovale Stadtumriss der kartoingisch – romanischen Epoche wurde mit der Zeit zu einem vier oder mehreckigen Stadtbild der späten Gotik.
Der Marktplatz war auch hier der Mittelpunkt der Stadtanlage wie fast immer zur gotischen Zeit.
Auch er hat sich durch die Jahrhunderte in Form und Größe verändert.
Das ursprüngliche Flächenmaß betrug 50:140 m ; das Flächenmaß 1330 betrug 35: 185m.
Die Vergrößerung des Marktplatzes fand 1330 statt, das Rathaus wurde jedoch erst 1564 mittig darauf gesetzt.


Bevölkerungszahlen

Die erste zuverlässige Bevölkerungszahl stammt aus dem Jahr 1500.
Es waren 421 Bürger (erwachsene Söhne und Väter) verzeichnet.
Daraus kann man schließen, dass die Gesamtzahl zwischen 1800 und 2000 lag. Für diese Zeit war das ziemlich viel. Man kann also die Annahme machen, dass Mergentheim schon damals ein bedeutender Ort war.
Das bedeutungsvolle Jahr 1526 verzeichnet die Zahl 509 Bürger.
(Rechnet man nun Familienangehörige hinzu, kommt man auf eine Zahl von etwa 2000 Bürgern.)
Die nächste zuverlässige Unterlage stammt aus dem Jahr 1660. Sie zeigt, wie verheerend sich der 30 Jährige Krieg auf Mergentheim ausgewirkt hat.
Die Einwohnerzahl (alle Personen) betrug 1075.
Untergliedert war sie in :
• Mannschaft 273
• Wittiben 48
• Knaben 300
• Mägdlein 326
• Mannbare Gesellen 24
• Mannbare Töchter 104

In den nächsten ca. 100 Jahren ist die Bevölkerung wieder angestiegen. Im letzten Jahrzehnt des 18 Jahrhunderts waren es zwischen 2800 und 3000 Bürger.
Darunter waren durchschnittlich…
• 100 bei Hof
• 24 Dominikaner
• 30 Kapuziner
• Ein Reichskontingent von etwa 40 Männer zu Pferd und 100 bis 200 zu Fuß
• 50 bis 60 Studenten

 

 

Bevölkerungszahlen aus den folgenden Jahren
 
Jahr        
Anzahl der Bürger
1812
2477
1834
2336
1846
2781
1852
2856
1855
2971
1925
5430
17 Mai 1933
6191
1936 ohne Militär
6500
1936 mit Militär
7600
1939 ohne Militär
7674
1939 mit Militär
9354
29 Oktober 1946
9504
1950
10.184
1961
12.000

Heute leben 22.502 Bürger in Bad Mergentheim und Teilortschaften.


Die Stadtmauer

Die Stadt trennte früher ein Wassergraben. Dieser schützte das Schloss vor Feinden, doch dies reichte dem Orden nicht. So baute er eine Mauer um sein Schutzbedürfnis zu stillen.

1330
Der Mauerbau begann.
Dass Schutzbedürfnis betraf nicht nur den Mergentheimer Ordenssitz selbst, sondern die ganze Kommende (auch Kirche).

Die ersten Schritte
Die ersten Schritte der Mauer, musste der Orden ohne Finanzielle Unterstützung schaffen. Noch nicht einmal die Bürger halfen ihm, da die meisten dies für unnötig sahen.
So entstand der Wall mit dem Wassergraben.

1335
Kaiser Ludwig willigte den Mauerbau ein. Er unterstütze den Orden.

Orden wurde von Bürgern nicht unterstützt

Gegen den Neu- und Weiterbau der Mauer waren die Bürger zuerst dagegen. Sie sahen nur Nachteile an der Mauer, sie müssen Teile ihres Besitzes hergeben und teilweiße müssten sogar Häuser eingerissen werden. Zudem kam noch, dass sie keine Entschädigung bekommen würden, wenn ihre Häuser im Weg sind und somit eingerissen werden müssen.
Sie sahen jedoch nicht die positiven Seiten der Mauer, dass auch sie damit geschützt sind und nicht nur der Orden. Jeder hat etwas von der Mauer.

Das erste Teilstück der Stadtmauer entstand bei der Burggasse bis hin zum Oberen Tor.

Die Wende

Nachdem die ersten Schritte gemacht waren, halfen Bürger, Orden und Adel zusammen.
Auch die Bürger erkannten nun, dass die Mauer doch hilfreich wäre und halfen tatkräftig am Mauerbau mit.
So entstand der nächste Abschnitt der Mauer, dieser ging vom Mühlwehr bis zum Hadergassentor.
So war schon die ganze Südseite von der Alten Marktsiedlung geschützt.

Die komplette Mauer

1361 ging die Mauer dass erste Mal komplett um die Stadt.
Jedoch bestand die sogenannte „Stadtmauer“ nur aus einem Graben und einem Wall.
Wall ist eine Feldbefestigung, aber keine Mauer, wie man sie sich früher vorstellte.

1330 -1360
Es entstand noch eine zusätzliche Mauer, die sogenannte Ringmauer. Diese Schütze die Mergentheimer besser vor Feinden und Eindringlingen.

1540-1544
Eine Zwingermauer wurde erbaut sodass zusätzlicher Schutz gegeben war.
So entstand dann, ca. 30m außerhalb des Grabens in Richtung Stadt eine zweite Mauer die sogenannte Zwingermauer.
So entstand ein 30 Meter langer Befestigungsabschnitt zwischen der Mauer und dem Graben, der für viele Zwecke genutzt werden konnte.
Die Zwingermauer bestand aus Kalkstein.
Die 60 cm starke Mauer wurde von Strebepfeilern gestützt.

Graben und Wall verliefen unmittelbar südwestlich von einem Haus in der Kapuziner Str. 14 längs der Türkengasse.

Reste der Mauer, die heute noch zu sehen sind:

- Haus in der Härterichstraße 14 am Schloss
- Der Rundturm der Zwingermauer war hinter dem Haus Münzgasse 8
- Der Stadtturm war an der Türkengasse 8, der sogenannte Hohbachturm
- Der Zentrum befand sich an der heutigen Oberen Mauergasse 70.
- Der Eckturm ist ebenfalls in der heutigen Oberen Mauergasse Nummer 48
- Das Torhaus befand sich am Ende der Mühlwehrstraße und der Härterrichstraße.

Dort sind heute noch teilweiße Reste zu sehen, doch die meisten sind sehr versteckt, oder nur noch so minimal zusehen, dass man es sich fast nicht vorstellen kann.

Der Verlauf

Die Mauer war recht kurvig, ausnahmen waren nur Teile an der Nord- und an
Der Südseite, dort war die Mauer ausgebuchtet.

Der Weg in die Stadt

Es war schwer, für Feinde in die Stadt zu gelangen.
Sie mussten viele Stationen überstehen:
- ein 5 Meter hoher Wall
- ein Wassergraben, der 20 Meter breit und 4 – 5 Meter tief, welcher mit mindestens 2 Meter Wasser gefüllt war.
- vermutlich gab es noch eine Schildermauer beim Carolinium zwischen Wachbacher- und Propsteistraße, wo eine Brustwehr positioniert war.
- Die Zwingermauer hinter dem Wassergraben
- Die Zwingermauer wurde als letzte Abwehr genutzt, hinter den Schießscharten wurde eine weitere Brustwehr positioniert.
- Die Ringmauer hatte schuf nur Platz und längere Wege für Feinde.

1830 wurde das 4te Stadttor, das Mühlwehrtor, eingerissen.

Entdeckung der Heilquelle

Am 13 Oktober 1826 entdeckte der Schäfer Franz Gehring auf der Wiese an der Tauber das Mergentheimer Mineralwasser. Salzig schmeckendes Wasser, in dem ein Professor Dr. Sigwart heilende Mineralien bestätigt hat.

Im Winter 1826/27 bei Hochwasser der Tauber wurde die Mineralquelle (an ihrer Stelle steht heute noch die alte Trinkhalle Wilhelmsquelle) wiederholt überschwemmt und verschüttet, aber später wieder ausgegraben!

Dann wurde über der Mineralquelle ein Brunnenhaus erbaut und daneben ein Badhaus errichtet, das ab dem 23 Juni 1829 in Betrieb übergeben werden konnte!

Franz Gehring erhielt für seine Entdeckung das Bürgerrecht der Stadt am 20 Oktober 1828 und das Recht zuerkannt für alle Zeiten das Bad und sein Wasser zu benutzen!

Das stark salzige Wasser unserer Heilquelle muss, wie Funde bei Grabarbeiten in 3-4 Meter Tiefe ergeben, den Siedlern der Gegend in vorgeschichtlicher Zeit schon bekannt gewesen sein. Die Menschen wählten damals ihre Wohnsitze mit Vorliebe an salzhaltigen Quellen. Durch Verdunsten des Wassers gewannen sie das wertvolle Salz.

 

Kapuzinerkirche Bad Mergentheim

- katholisches Kloster
- die Kirche wurde 1628 zu Ehren des heiligen Franz von Assisi angelegt
- 1641 wurde eine Kapelle an die Kapuzinerkirche angebaut

Kapuziner allgemein

Der Kapuzinerorden ist in Provinzen aufgeteilt
Die Leitung dieses Ordens ist in Rom
Da es bei den Kapuzinern nur Brüder gibt, werden auch die obersten Verantwortlichen mit Bruder angeredet und haben keinen besonderen Titel.


Kapuziner in Bad Mergentheim

- seit ca. 375 Jahren in Bad Mergentheim
- Zitat eines Kapuziners: Heute sind wir da als Beter und als Kurseelsorger,
als Beichtseelsorger und einfach als Brüder.
- durch Napoleon gehörte Mergentheim dann zu Württemberg und so auch
zur Rheinisch-westfälischen Kapuzinerprovinz. Diese kaufte das Kloster 1933 wieder auf.


Beispiel eines Kapuziners in Bad Mergentheim

Pater Arno Dähling lebt als Kapuziner und Priester in Bad Mergentheim. Viele Jahre war er in Mexiko tätig, dann in der Cityseelsorge in Frankfurt und Seelsorger im Kloster zum Mitleben in Stühlingen, Redakteur der INFAG-Nachrichten und Medienarbeit für die Missionsprokur der Kapuziner. Er ist Verfasser zahlreicher Texte und Liedertexte im Bereich Neues geistliches Lied.